Architektouren - Blickfang / auf Rheinhessen LIVE

Architekturen I + Interview = Blickfang in Mainz

Bei den Architektouren dieses Jahr war ich zwar leider durch meinen Unfall noch immer gehandicapt, aber drei interessante Projekte habe ich doch besucht.
Zwei möchte ich Euch davon vorstellen.

Heute, in meinem ersten Beitrag, möchte ich Euch meine Eindrücke bei [blickfang] Event Design in Mainz schildern und am Ende dieses Artikels findet Ihr ein interessantes Interview mit Einzelheiten zur Planung und Entwicklung dieses Umbauprojektes.

Erst mal das Navi angeschaltet um den Weg zu finden und dann festzustellen, dass ich wahrscheinlich schon fast 100mal ganz nah daran vorbeigefahren bin und es trotzdem nicht kannte ☹

Architektouren - Blickfang / auf Rheinhessen LIVE

Die Beschreibung der Architektenkammer hatte mich neugierig gemacht.
Der Umbau eines alten Getränkemarktes in Büro, Lager und Werkstätte einer Eventagentur – das hörte sich interessant an!

Von aussen wirkt das Gebäude wie in „normales“ Industriegebäude – quadratisch praktisch gut.
Das Architekturbüro Jarosch hat hier mit dem Bauherren harmonisch Hand in Hand gearbeitet – das merkt man direkt beim ersten Betreten!

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Die grosse Halle wird angenehm unterteilt mit den weissen Kuben, die als Büros und Besprechungsräume genutzt werden.
Wie eine kleine Stadt gruppieren sich die „Gebäude“ um den „Marktplatz“, auf dem verschiedene Welten und Dekorationsideen sehr ansprechend präsentiert werden.

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Alle Ausstellungsstücke – und noch VIELES mehr – können bei der Agentur [blickfang] für private Events und auch Firmenveranstaltungen gemietet werden.

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Aber nicht nur das, natürlich hilft das Team auch gerne bei der gesamten Konzeptionierung.
Ganz ehrlich – ich glaube hier kann wirklich jeder fündig werden!

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Besonders gefreut habe ich mich, dass sich sowohl der Inhaber Herr Heyer, als auch die Architektin Frau Jarosch die Zeit genommen haben, mir einige Fragen zu beantworten.

Rhh LIVE:
Herr Heyer, waren Sie denn mit Ihrer Agentur bereits zuvor in Mainz ansässig, oder hat es Sie durch dieses Umbauprojekt hierher „verschlagen“?

Hr. Heyer:
Nein, wir hatten bereits zuvor unseren Firmensitz in der alten Waggonfabrik in Mainz-Mombach.

Rhh LIVE:
Haben Sie Sich zusammen mit den Architekten auf die Suche nach einer neuen Bleibe gemacht?

Hr. Heyer:
Wir haben mit den Architekten gemeinsam unterschiedliche Objekte besichtigt und auf Ihre verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten hin durchgeplant.
Schliesslich sind wir bei diesem Projekt hängengeblieben und haben dann die Idee Schritt für Schritt gemeinsam entwickelt.
Da sowohl wir als Designer, als auch die Architekten, kreative Menschen sind, sind viele Energien geflossen und wir haben mehrere Konzepte durchgespielt, bis wir uns für das Bestehende entschieden haben.

Rhh LIVE:
Sehe ich es richtig, dass Sie hier auch Ihre Werkstatt und Lager integriert haben?
Kann ich also davon ausgehen, dass es nicht nur kreative, sondern auch real praktische Überlegungen bei der Umsetzung geben musste?

Hr. Heyer:
Ja, genau. Hier befinden wir uns in dem Showroom, der Kreativstadt. Hier ging es weniger um Abläufe und Strukturen, sondern viel mehr um gutes Aussehen.
Ausserdem haben wir aber noch 1.200qm Lager und Werkstatt, wo es in erster Linie darum ging, wie wir Prozesse beschleunigen und verbessern können.
Alleine die Anlieferungssituation – wir haben im Moment doppelt so viele Anlieferung wie vorher.
Auch konnten wir die Regalgänge verbreitern und damit die Abwicklung der täglichen Arbeitsschritte optimieren.

Rhh LIVE:
Ich frage jetzt einmal etwas provokativ… Das Schöne, Tolle und Ansprechende ist also hier in Ihrem Showroom zu sehen, aber wie sieht es mit dem „Backstagebereich“ aus?
Ist auch hier Kreativität eingeflossen?

Hr. Heyer:
In den Räumlichkeiten für Lager und Werkstatt stand eindeutig der praktische Aspekt im Vordergrund.
Wissen Sie, [blickfang] steht ja für Beides – tolle Events und perfekte Ausstattung, aber auch das Praktische spielt eine wichtige Rolle.
Wenn wir keine gute Logistik haben, keinen sauber und gut gepflegten Fundus, hilft uns auch das schönste Event nicht wirklich.
Beide Funktionen spielen eine grosse Rolle!

Rhh LIVE:
Aus diesem Grund haben Sie also die Räumlichkeiten, zwar durchlässig für die Kommunikation, aber dennoch räumlich getrennt konzipiert?

Hr. Heyer:
Ja, wir haben auch energiebewusst geplant und daher z. B. auch drei Heizperioden. Wir haben das Kaltlager mit 11°C, den Showroom mit 15°C und die Büros mit 22°C.
Mit der Energie, und damit verbunden mit den Kosten, sorgsam umzugehen, war ein wichtiger Aspekt für uns.

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Rhh LIVE:
Nutzen Sie auch alternative Energien?

Hr. Heyer:
Da wir uns hier in einem Mietobjekt befinden sind wir diesbezüglich eingeschränkt.
Wir benutzen Ökostrom von Greenpeace und versuchen in vielen Belangen, soweit es möglich ist, nachhaltig zu agieren.

Rhh LIVE:
Um noch einmal hier in den Showroom zurückzukommen.
Wie ist denn diese Idee mit den Kuben entstanden?

Hr. Heyer:
Da ich mich sehr für Architektur interessiere, habe ich mich natürlich vielseitig informiert, auch auf Blogs. Besonders fasziniert war ich von Lofts mit Seecontainern, die als Büros umfunktioniert wurden. Da war mir natürlich erst mal klar – ich möchte Seecontainer haben … (lacht)
In einem Projekt um die Ecke wäre das sogar möglich gewesen, da der Vermieter das Dach hätte erneuern müssen und wir auf diese Weise auch die Container hätten einbringen können.
Auch einen Architekten hatten wir gefunden, der bereits Erfahrung mit dem Umbau von Seecontainern hatte.
Leider mussten wir dann aber feststellen, dass diese Lösung sehr kostenintensiv war.

Dann kam die Idee mit diesem Projekt und meine erster Gedanke war – ich will Gartenhäuser  … (grinst)
Die Idee mit den zeitlosen Kuben entwickelten wir dann gemeinsam mit den Architekten, auch unter dem Aspekt der Langlebigkeit, denn wir wollen dieses Objekt ja längerfristig nutzen.
Auch das Farbkonzept mit grauen Aussenwänden und weissen Kuben hält es schlicht, so dass die Ausstellung das einzig Farbige ist und damit im Mittelpunkt steht.

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Rhh LIVE:
Es hört sich so an, als hätte die Chemie zwischen Ihnen und der Architektin wirklich gestimmt.
War Ihnen das Architekturbüro Jarosch bereits vorher bekannt?

Hr. Heyer:
Nein. Wir hatten recherchiert, wobei es uns wichtig war junge Architekten ins Boot zu holen.
Schnell war bereits nach den ersten Gesprächen klar, dass sie bereit waren neue Wege zu gehen, auch wenn sie etwas härter sind, aber dafür cool.

Rhh LIVE:
Vielen Dank – das ist ja die perfekte Überleitung für mein Gespräch mit der Architektin Frau Jarosch.
Frau Janosch, wie war es denn, als Herr Heyer Sie das erste Mal kontaktiert hat?

Frau Jarosch:
Wir haben zunächst die Rahmenbedingungen abgesteckt und natürlich die Wünsche und Notwendigkeiten des Bauherren besprochen.
Funktionalität ist für mich ein wesentlicher Aspekt der Architektur. Sie muss funktionieren und daraus kann sich dann die Gestaltung gezielt entwickeln.
Es ist immer unser Anliegen etwas Zeitloses zu schaffen, so dass es auch in zehn Jahren noch aktuell wirkt.
Auch eine potentielle Weiterentwicklung zu berücksichtigen ist uns wichtig , denn der Nutzen steht im Vordergrund.

Rhh LIVE:
Welchen Aspekt an diesem Projekt fanden Sie besonders reizvoll?

Frau Jarosch:
So etwas Trockenes wie Lagerhaltung & Werkstätten mit etwas Kreativem wie Präsentation gelungen zu kombinieren – das strahlte einen besonderen Reiz auf mich aus.
Sich dieses Projekt dann anfänglich in einem alten 2.500qm grossen Getränkemarkt vorzustellen, der sich mit blauen Stützen und schmutzigen Leitungen präsentierte, war schon etwas Besonderes. Auch das relativ geringe Budget, bezogen auf die grosse Fläche, war eine Herausforderung. Mit dem Geld also auf der einen Seite ca. 500-600qm ansprechende Präsentationsfläche zu entwickeln und gleichzeitig die Struktur des Lagers und der Werkstatt zu optimieren war wirklich spannend. Es musste alles unter einen Hut gebracht werden.
Einerseits mussten die Produkte und Ideen ansprechend präsentiert werden können, andererseits mussten aber auch die Büros integriert werden. Hier sollten die Kreativen die Projekte konzipieren, die Kunden in einer ansprechenden Form beraten und die Ideen vorgestellt werden können.
All diese gegebenen Notwendigkeiten mussten schliesslich optimal in EINEM Grossraum kombiniert und untergebracht werden.

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Rhh LIVE:
Ich sehe, die verschiedenen Büros haben schon auch individuelle Farbideen. Konnten denn die Mitarbeiter ihre Wünsche und Ideen bei der Gestaltung ihrer späteren Büros aktiv einbringen?

Frau Jarosch:
Ja das durften Sie schon. Aber ich muss schon offen und gerne auch ehrlich sagen, dass es uns um das Gesamtkonzept ging. Wir haben bewusst die Ästhetik der alten Halle, mit seiner Offenheit und Raumhöhe, sehr homogen gestaltet und die neuen Einbauten als Kontrast gesetzt. Die Kuben bilden in Ihrer Klarheit abgeschlossene Einheiten mit Aus- und Einblicken, die sich harmonisch einfügen. Wichtig war hier natürlich, dass das Nebeneinander von „Neu und Alt“ nicht von der präsentierten Ware ablenken durfte.
Wir verstehen unsere Architektur so, einen Rahmen abzustecken; sozusagen eine Leinwand zur Verfügung zu stellen, die der Nutzer selbst gestalten kann und soll.
Es ist uns wichtig neutrale Räume zu entwickeln, die gut funktionieren und in denen sich der Nutzer individuell einbringen kann.
Wir werden also keinem Nutzer sagen, Du stellst diesen Stuhl so oder das Väschen dorthin… (lacht)

Rhh LIVE:
Stellte es denn für Sie eine besondere Herausforderung dar, dass Herr Heyer, wie er selbst zugibt, aktiv mitgestalten wollte?
Sie sind ja auch beide im kreativen Bereich tätig – war daher die Meinungsfindung teilweise etwas schwieriger?

Frau Jarosch:
Ja … Meinungsfindung, Durchsetzung welcher Idee – das ist schwer so zu benennen …
Generell finde ich, je weniger selbstbewusst man ist, um so mehr muss man sich durchsetzen.
Hier mit [blinkfang] war es wirklich so, dass ich erst einmal alle Ideen, Anforderungen und Wünsche, die geäussert wurden aufgenommen habe.
Danach habe ich versucht sie mit meiner Ansicht von Architektur zu interpretieren und zu ordnen. Oder aber auch sie genau so zu übernehmen und technisch realisierbar zu machen. Manchmal habe ich dann auch einen Gegenvorschlag ausgearbeitet, wenn einmal etwas nicht passte, und wir haben uns gemeinsam hingesetzt und eine Lösung erarbeitet.
Nein … Es war keine Konkurrenz oder ein Gegeneinander – es war vielmehr ein sehr produktives und angenehmes Miteinander.

Nachdem Herr Heyer und Frau Janosch mir freundlicherweise so ausführlich Rede und Antwort gestanden hatten, ging es für sie übergangslos weiter die vielen Fragen der interessierten Besucher zu beantworten.

Tja – und wir machten uns auf dem Weg zum nächsten Anlaufpunkt der Architektouren – doch dazu mehr im nächsten Blog 🙂

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